• Bockwindmühle Vehlefanz

Regionales Leitbild

Das Leitbild ist ein selbst gesteckter Rahmen, in dem sich die regionalplanerische Steuerung vollzieht. Es wurde im Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft unter Überschrift "Zukunft mit Kooperation" entwickelt und im Dezember 2007 durch die Regionalversammlung verabschiedet. Das Leitbild reflektiert die Stärken und Schwächen der Region im Kontext sich wandelnder Rahmenbedingungen. Wichtige Stichworte sind in diesem Zusammenhang der "demographische Wandel", "Globalisierung und Wettbewerb" sowie "Nachhaltigkeit". Es überprüft mögliche Entwicklungspfade und formuliert ausgehend davon Leitlinien für die künftige Entwicklung der Region. Der Regionalplan orientiert sich an den Leitlinien und übersetzt diese in verbindliche Vorgaben für die räumliche Entwicklung.

Vorwort

Im Sommer 2005 haben die Länder Berlin und Brandenburg die umfassende Überprüfung und Neu-ausrichtung der gemeinsamen Raumordnung vereinbart. Als Ergebnisse dieses Prozesses sollen ein neues Leitbild, ein neues Landesentwicklungsprogramm sowie ein neuer Landesentwicklungsplan erarbeitet werden. Im Zeitraum Dezember 2005 bis August 2006 wurde als Basis der gemeinsamen Entwicklung zunächst das "Leitbild Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg" formuliert. Bis Ende 2008 sollen dann die Dokumente Landesentwicklungsprogramm und Landesentwicklungsplan folgen.

Die Planungsregion Prignitz-Oberhavel hat sich im Winter 2005/2006 für eine aktive Beteiligung an dem Leitbildprozess der Länder und zugleich für eine Überarbeitung des eigenen regionalen Leitbildes aus dem Jahr 1998/2000 entschieden. Innerhalb von vier Regionalforen mit den unterschiedlichen Akteuren aus der Region und mehreren Regionalgesprächen mit den Landkreisen, Kommunen und den ILE–Arbeitsforen (Integrierte ländliche Entwicklung) wurden sowohl Ansprüche an das Leitbild der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg als auch regionale Leitbilder diskutiert. Nicht alle, aber viele Anregungen aus der Region wurden in dem Leitbild der Hauptstadtregion berücksichtigt. Die Ergebnisse der Regionalforen wurden in einem Dokumentationsbericht veröffentlicht und dienten als Diskussionsgrundlage für die folgenden Regionalgespräche.

Das Leitbild greift die Hinweise und Anregungen aus dem Diskussionsprozess des letzten zwei Jahre auf, orientiert sich nunmehr an der Struktur des Leitbildes der Hauptstadtregion und konzentriert sich auf die wesentlichen Entwicklungs- und Alleinstellungsmerkmale der Region Prignitz-Oberhavel. Der Entwurf ist der Regionalversammlung im Februar 2007 vorgestellt worden und er wurde anschließend innerhalb von vier thematischen Leitbildforen mit einem breiten Akteurskreis diskutiert. Das regionale Leitbild "Zukunft mit Kooperation" wurde am 11. Dezember 2007 von der Regionalversammlung einstimmig beschlossen.

Das Regionale Leitbild Prignitz-Oberhavel verfolgt die Zielstellung, die maßgeblichen gemeinsamen Entwicklungsvorstellungen und -aufgaben für diesen Planungsraum zu identifizieren. Auf der Basis einer regionalen Standortbestimmung (Wir sind …) werden sowohl die Entwicklungsrichtungen (Wir wollen …) als auch die konkreteren Aufgaben (Wir werden …) benannt. Die Region versteht bewusst alle Akteure in diesem Raum als Adressaten des Leitbildes. Das Leitbild wird somit nicht als "internes Arbeitsprogramm der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel" angesehen, sondern kann nur eine Wirkung erzielen, wenn unsere Kommunen, Landkreise, Unternehmen, Organisationen und Akteure es gemeinsam verwirklichen. Die Vielfältigkeit und Eigenständigkeit der Akteure ist bei der Umsetzung des Leitbildes ebenso wichtig, wie die gemeinsame Darstellung und Profilierung der Ziele gegenüber den Ländern und den überregionalen Partnern.

Zukunft mit Kooperation

Prignitz-Oberhavel

Wir sind …

  • eine Region, die massiv vom demografischen Wandel betroffen ist und auch in Zukunft sein wird. Sowohl das Bevölkerungswachstum im Umland von Berlin als auch die Bevölkerungsverluste in weiten Bereichen der ländlichen Räume sind regional zu bewältigen.
  • eine ostdeutsche Region, die sich in naher Zukunft auf einen Umbau der öffentlichen Kassen und auf veränderte Finanztransfers einstellen muss.
  • eine Region, die seit den 1990er Jahren auf der Basis von Städtenetzen und kommunalen Arbeitsgemeinschaften bereits eine mehrjährige Erfahrung mit Kooperationen aufweist.
  • eine Region, die sich ihrer Identitäten, Potenziale und Herausforderungen bewusst ist und sich gemeinsam auf den Weg gemacht hat, diese Potenziale innerhalb von starken Nachbarschaften kooperativ, innovativ und effektiv zu nutzen.

Wir wollen …

  • die Eigenständigkeit der Kooperationspartner wahren und insbesondere innovative und effektive Formen der Zusammenarbeit unterstützen.
  • die bestehenden Kooperationen in der Region und mit den regionalen Nachbarn fördern und weitere Potenziale der Zusammenarbeit erschließen.
  • bei der Landesregierung, den unterschiedlichen Fachressorts und den regionalen Nachbarn für das Modell der kooperativen Region werben und diese zur Zusammenarbeit bewegen.

Wir werden …

  • sowohl die Arbeitsforen zu den "Regionalen Wachstumskernen" und den "Kooperativen Zentren" als auch die Zusammenarbeit mit den regionalen und kommunalen Arbeitsgemeinschaften fortsetzen.
  • die Kooperationen zu einem innovativen Markenzeichen der Region ausbauen.
  • für die Region insbesondere die Themenfeldern Wirtschaft, Tourismus, Daseinsvorsorge und Infrastruktur vertiefen, nach innovativen Lösungen suchen und deren Umsetzung unterstützen.

Die Wirtschaftsregion

Berlin – Hamburg – Häfen International

Wir sind …

  • eine ostdeutsche Region, die weiterhin von den Strukturumbrüchen nach 1990 geprägt ist und aktiv die wirtschaftliche Entwicklung begleitet und fördert.
  • eine überwiegend ländliche geprägte Region, deren Unternehmen von dem Thema "Fachkräftesicherung" betroffen sind und die gemeinsam an Strategien für den "Arbeitsstandort" Region arbeiten.
  • die Region, die als Bestandteil der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg das Bindeglied zur Metropolregion Hamburg darstellt und bereits heute für Unternehmen aus Berlin und Norddeutschland ein interessanter Standort ist.
  • die Region, die für die Hauptstadtregion den leistungsfähigen Zugang zu den international bedeutsamen Häfen Hamburg, Rostock und Wismar gewährleistet und sehr attraktiv in das europäische und nationale Verkehrsnetz eingebunden ist.
  • eine Region, mit leistungsstarken, international und regional tätigen Unternehmen, die auch Partner maßgeblicher Unternehmensnetzwerke sind.
  • eine Region, die ihre wirtschaftlichen Potenziale innerhalb von mehreren Regionalen Wachstumskernen koordiniert und systematisch entwickelt und darüber hinaus über leistungsstarke regionale Wirtschaftsräume verfügt.
  • eine Region mit traditionellen und wettbewerbsfähigen Kompetenzen im Bereich Land- und Forstwirtschaft.

Wir wollen …

  • die besonderen Potenziale der Metropolregionen Berlin und Hamburg gemeinsam erschließen und fördern und die Wirtschaftsregion "Berlin - Hamburg - Hafen International" etablieren.
  • die Unternehmen in der Region fördern und ihnen, insbesondere innerhalb der Regionalen Wachstumskerne, Planungssicherheit und ein attraktives Umfeld bieten.
  • die Ansprüche an eine dienstleistungsorientierte, effektive und unternehmensfreundliche Verwaltung fördern und umsetzen.
  • die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und den Kommunen unterstützen und weiter entwickeln.
  • die Zusammenhänge zwischen den Bildungsangeboten der Region und der wirtschaftlichen Entwicklung herausstellen, qualifizieren und stärker mit den herausragenden Angeboten in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg vernetzen.
  • die Unternehmen der Land- und Fortwirtschaft bei der Profilierung nachhaltiger Produktions- und Angebotsformen und bei der Ausrichtung und Erschließung neuer, innovativer Märkte (z.B. Energie, nachwachsende Rohstoffe, Landtourismus) zu unterstützen.

Wir werden …

  • die Zusammenarbeit mit den "Regionalen Wachstumskernen" und den "Kooperativen Zentren" fortsetzen und an einer verstärkten Etablierung der Wirtschaftsregion arbeiten.
  • den Prozess des "lebenslangen Lernens" unterstützen und als maßgeblichen Entwicklungsschlüssel für wirtschaftliche Aktivitäten herausstellen. Die Initiativen zur Qualifizierung der Bildungsangebote werden wir fördern und als regionale Entwicklungsstrategie weiter ausbauen.

Die Tourismusregion

Prignitz/Ruppiner Land

Wir sind …

  • die Region, mit den zwei sehr erfolgreichen Reisegebieten "Prignitz" und "Ruppiner Land", die in den letzten Jahren erhebliche Wachstumsraten verzeichnen konnten und in Brandenburg zum Teil Spitzenplätze bei den Übernachtungen einnehmen.
  • die Region, die mit ihrer Anbindung an die Mecklenburgischen Seenplatte, die Elbe, die Havel, dem Rhin und verschiedenen Kanälen über ein weiträumiges Netz schiffbarer Wasserwege verfügt und sich ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal im Wassertourismus erarbeitet.
  • eine Region, mit besonders attraktiven Natur- und Kulturräumen, die insbesondere innerhalb der Naturparke und des Biosphärenreservates geschützt und nachhaltig entwickelt werden, über eine zum Teil international herausragende Artenausstattung verfügen und von den Metropolräumen Berlin und Hamburg gut zu erreichen sind.
  • eine Region, mit erlebbaren Jahrhunderte alten Zeugnissen der Mark Brandenburg. Die historischen Stadtkerne der märkischen Städte, die mittelalterlichen Ruinen und Burgen, die Schlösser und Gutshäuser, die Vielzahl der Kirchen und Klöster sowie archäologische Fundstellen laden zum erkunden, besichtigen, verweilen und oftmals zu einer besonderen Kulturveranstaltung oder zu einem kulinarischen Erlebnis ein.
  • eine Region mit einer langen Tradition der Pferdezucht und des Reitens, die über attraktive, vielfältige und einmalige Angebote für den Reitsport verfügt.
  • eine Region, die sich mit ihren vielfältigen Kur-, Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen auf den Weg gemacht hat, sich als "gesunde Region" zu etablieren und zu vernetzen.
  • eine Region, die sich als "barrierefreie Reiseregion" bereits einen überregionalen Namen gemacht hat und diesen Vorsprung weiter ausbauen möchte.
  • eine Region, die ihre touristischen Potenziale erkannt hat und konsequent an der attraktiven thematischen Vernetzung und Erschließung dieser Potentiale, insbesondere auf dem Wasser und mit dem Fahrrad, arbeitet.

Wir wollen …

  • die besonderen touristischen Potenziale der Regionen weiter erhalten, unterstützen und entwickeln und als ein besonderes Markenzeichen der Region etablieren. Bei der nachhaltigen Entwicklung des Tourismus wollen wir jeweils zwischen den Entwicklungs-, Schutz- und Pflegeerfordernissen abwägen.
  • die spezifischen Profile und Potenziale der Tourismusregion insbesondere in den Schwerpunktbereichen unterstützen, verknüpfen und mit dem öffentlichen Verkehr, insbesondere mit dem regionalen Schienenverkehr, attraktiv erschließen.
  • die Zusammenarbeit und Vernetzung der touristischen Potenziale fördern und unterstützen. Innerhalb der Vernetzung messen wir dem Wasser-, Rad- und Reittourismus eine hohe Bedeutung zu.
  • das Potenzial der historischen Innenstädte und Dorfkerne auch für den Tourismus attraktiv gestalten und erhalten.
  • die besonderen Kulturlandschaften der Region als einmalige und erlebbare Räume erhalten und gestalten.

Wir werden …

  • die Zusammenarbeit mit den "Reiseregionen" und den regionalen und kommunalen Arbeitsgemeinschaften fortsetzen und an einer verstärkten Etablierung der Tourismusregion arbeiten.
  • die Sicherung und Entwicklung der maßgeblichen räumlichen touristischen Potenziale durch planerische Festlegungen begleiten und unterstützen.

Die lebenswerte Region

2030

Wir sind …

  • eine Region, die massiv vom demografischen Wandel und von gleichzeitig verlaufenden Wachstums- und Schrumpfungsprozessen betroffen ist.
  • eine ostdeutsche Region, die sich auf stark veränderte Finanztransfers einstellen muss und dies kreativ und innovativ bewältigen will.
  • eine Region, die aufgrund der historischen Nutzungsformen weiterhin erhebliche Aufgaben im Bereich der militärischen und zivilen Konversion bewältigen muss und vor dem Hintergrund der globalen Klimaveränderungen, Anforderungen an eine nachhaltige Nutzung des Naturraumes berücksichtigen muss.
  • eine Region, die zusammen mit Berlin eine vielfältige und hochattraktive Ausstattung an städtischen und ländlichen Infrastrukturen bieten kann und für die unterschiedlichsten Lebensentwürfe einen Raum bietet.
  • eine Region, mit sehr lebenswerten und aktiven Städten, Gemeinden und Dörfern, die ein großes Potenzial für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben besitzen.
  • eine Region, die aufgrund der Schönheit und Besonderheit ihrer Kulturlandschaften sowohl als Reiseland, Wochenend- und Alterssitz sowie auch als Wirtschafts- und Lebensraum beliebt und nachgefragt ist.
  • eine Region mit sehr leistungsfähigen Infrastrukturnetzen, die eine attraktive Verbindung zu den benachbarten Regionen und Metropolräumen in Deutschland und Europa herstellen.

Wir wollen …

  • die besonderen Potenziale der Region gemeinsam herausstellen, effektiv erschließen und fördern und ihre Attraktivität erhalten und etablieren.
  • für Menschen aus anderen Regionen ein attraktiver und liebenswürdiger Standort sein und intensive Anstrengungen unternehmen, dass diese Menschen die "lebenswerte Region 2030" kennenler-nen und erfahren können.
  • das besondere Profil der "gesunden Region" mit der Vielzahl der Gesundheits- und Vorsorgeeinrichtungen fördern und vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung weiter etablieren.
  • uns den demografischen und finanziellen Herausforderungen stellen und unter dem Anspruch der lebenswerten Region 2030 kooperative, innovative und effektive Lösungen für die Sicherung und attraktive Gestaltung der Daseinsvorsorge erarbeiten.
  • unsere Ressourcen effektiv und nachhaltig für die Gestaltung der lebenswerten Region einsetzen und das Ziel einer polyzentralen Entwicklung mit mehreren Entwicklungskernen unterstützen.
  • insbesondere die Innenstädte und Siedlungskerne als Lebensräume entwickeln und hierbei das Profil des altersgerechten Wohnens unterstützen.
  • uns verstärkt auf Entwicklungen und Projekte konzentrieren, die gleichzeitig für ihren lokalen und regionalen Verantwortungsbereich positive und nachhaltige Synergieeffekte erzielen.
  • die positiven und vielfältigen Ansätze des bürgerschaftlichen Engagements unterstützen und uns für eine stärkere Eigenverantwortlichkeit der regionalen und kommunalen Akteure einsetzen.
  • die leistungsfähigen Infrastrukturnetze der Region erhalten und entwickeln und wir wollen attraktive Verbindungen zu Berlin und den regionalen Nachbarn anbieten können.
  • die modernen Infrastrukturen der Telekommunikation als wichtiges Entwicklungs- und Vernetzungselement der "lebenswerten Region" begreifen und deren Ausbau unterstützen.
  • die Kulturlandschaften der Region als gemeinsame Potenzial- und Handlungsräume identifizieren, etablieren und nachhaltig entwickeln.

Wir werden …

  • die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren und Kommunen fortsetzen und gemeinsam an einem regionalen Konzept für die lebenswerte Region 2030 arbeiten.
  • die Landesregierungen und Fachressorts in die regionalen Konzepte einbinden und an gemeinsamen innovativen und kooperativen Lösungen und Projekten arbeiten.
  • mit der regionalplanerischen Arbeit das Leitbild der lebenswerten Region 2030 als Maßstab und Entwicklungsziel anwenden.